Zur Person des Ausbilders

Die Zeit der Beruflichen Bildung ist Orientierungszeit und eine Phase in der menschlichen Entwicklung, die für die Ausbildung von Leit- und Wertesystemen eine besondere Bedeutung darstellt. Die berufliche Bildung muss sich deshalb verstärkt an einem ganzheitlichen Bildungsverständnis orientieren, welches die Entwicklung der einzelnen Auszubildenden im Blick hat. Diese Bildungsphilosophie schließt die bewusste Förderung der persönlichkeitsorientierten Qualitäten mit ein, da sie als wesentliche Voraussetzungen angesehen werden, um unvorhergesehene (fachliche, methodische und soziale) Veränderungen bewältigen zu können. Die Wahrnehmungen in der Berufswelt bestätigen, dass auf die Zukunft hin gesehen derjenige leistungsfähig sein wird, der sich in seiner Arbeitsumgebung wohl fühlt, der in jenem Beziehungsgefüge seinen Platz findet, in dem er nicht nur Funktionsträger ist, sondern sich auch als Mensch wahrgenommen fühlt. Deshalb kommt der Aufmerksamkeit für die zwischenmenschliche Atmosphäre und der Wertschätzung von individuellen sozialen Kompetenzen für die Ausbildungsgestaltung eine besondere Bedeutung zu.
Die seitherige systematische Vermittlung von beruflichen Grundfertigkeiten in Form von Lehrgängen und kontextfreien Ausbildungsprojekten reicht zur Berufsvorbereitung nicht mehr aus. Die Anforderungen an eine gegenwarts- und zukunftsorientierte berufliche Bildung als "Übungsfeld" des Wirtschaftslebens sind neben dem Aufbau von Fachkompetenzen immer stärker mit der Entwicklung von umfassenden Methoden- und Sozialkompetenzen verbunden, um multitalentierte Fachkräfte "auszubilden", die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Eine zentrale Aufgabe wird der Vermittlung einer Geisteshaltung bei allen an den Lernprozessen Beteiligten (v. a. den Ausbildern) zukommen, die Veränderungen (Entwicklungen) als Gegebenheit des Lebens akzeptiert und sich gegenüber Wandlungen der Zeit offen zeigt. Da Kenntnisse und Fertigkeiten immer schneller veralten, treten individuelle Handlungs- und Gestaltungsfähigkeiten mehr in den Vordergrund.
Sie bedürfen der Aufmerksamkeit und Förderung:
- Kreativität (Flexibilität)
- Initiativkraft (Eigeninitiative)
- Orientierungswissen
- Prozess- und Teamorientierung
- Arbeitsorganisatorische und methodische Fähigkeiten
- Kommunikative und dialogische Fähigkeiten
- Berufliche Leistungsbereitschaft und -fähigkeit
- Mündigkeit und Urteilsfähigkeit
- Selbstmotivation und Selbstbestimmung
- Allgemeinbildung und Weltinteresse
- Basale Kulturtechniken
Die Integration einer pädagogischen Dimension in die Berufsausbildung schließt in der Konsequenz die Offenheit für zweckfreie Bildungsangebote mit ein. Neben dem Umgang mit Sachen (Fachausbildung) rückt der Umgang mit sich selbst und der Umgang mit anderen (Persönlichkeitsbildung) in den Mittelpunkt des Interesses.
Die Berufsbildung hat zukünftig verstärkt den Auftrag ästhetische, kulturelle und soziokulturelle Fragen als Themen in die Alltagsgestaltung einzubinden, um den Anforderungen der beruflichen Praxis nach Team- und Kooperationsfähigkeit, nach Eigeninitiative und Problemlösefähigkeit gerecht werden zu können. Die veränderten Erwartungen und Anforderungen an die Berufsbildung der Zukunft brauchen eine Neuorientierung der Organisation von Zusammenarbeit zwischen Ausbildern und Auszubildenden. Dies ist verbunden mit der Lösung von hierarchischen und festen Strukturen und verlangt nach der Hinwendung zu Organisationsformen, die offene Prozesse zur Lösung von kleinen und großen Problemstellungen der technischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen unserer Zeit zulassen.
Der Offenlegung des Lernbedarfs bei Ausbildern in allen Bereichen der beruflichen Bildung kommt sicher eine Schlüsselfunktion zu, da die Umgestaltung der Ausbildungspraxis in Deutschland innovative und radikale Impulse erfordert, die nur über die Entwicklungsbereitschaft bzw. den Austausch der Ausbilder und durch eine Veränderung der Organisationsstrukturen möglich wird. Die Ausbilder sind nach wie vor auf die Vermittlung von Fachwissen und Fachfertigkeiten in Form von Lehrgängen und kontextfreien Ausbildungsprojekten ausgerichtet und haben in der Regel keine ausgeprägte lerntheoretische, pädagogische, sozialpädagogische und methodische Vorbildung, bzw. wenig strukturierte und reflektierte Erfahrungen.
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